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Ferne Gefährten – 150 Jahre Freundschaft

von Johannes

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    • Treaty
    • Benz

Zeitsprung 150 Jahre zurück in die Vergangenheit. Am 24. Januar 1861 unterzeichneten der Shōgun Tokugawa Iemochi und den deutsche Gesandte Graf Friedrich Albrecht zu Eulenburg den “Freundschafts-, Handels- und Schifffahrtsvertrags” zwischen Japan und Preußen. “Auf den Knien”, so schreibt Eulenburg in einem Brief an seine Eltern, dankte er Gott, als diese diplomatische Mission geglückt war.

Seine Mühen haben sich ausgezahlt – bis heute besteht eine enge Freundschaft zwischen Japan und Deutschland. Zur Feier des runden Jubiläums fand 2011/2012 im Reiss-Engelhorn-Museum (rem) in Mannheim die Ausstellung “Ferne Gefährten” statt. Bei der Eröffnung war Bundespräsident Christian Wulff vor Ort und kurz vor Ende der Ausstellung habe auch ich es noch ins rem geschafft.

Einige Dinge, die ich dort gelernt habe:

  • Nicht auf japanischem Boden. Die einzige niederländische Kolonie, in der zur Edo-Zeit ein Austausch mit dem Ausland stattfand, war Dejima – eine künstliche Insel vor der Küste Nagasakis. Interessant auch: Wegen des holländischen Einflusses waren japanische Verträge mit dem Ausland in der damaligen Zeit häufig auf Niederländisch gehalten. So auch viele deutsche Verträge mit Japan.
  • 50 Prozent. Fast hätte die Reise der deutschen Gesandtschaft nach Japan nicht geklappt. Zwei der vier Schiffen sind nie in Japan angekommen. Die “Elbe” wurde von einem Orkan schwer beschädigt und schaffte es nur ins Trockendock nach Singapur. Die “Frauenlob” fiel einen Tag vor der Ankunft in Tokyo einem Taifun zum Opfer und sank mitsamt der gesamten Mannschaft.
  • Strippenzieher und Brückenbauer. Aoki Shūzō war der erste ständig in Berlin residierende Gesandte Japans. Er dolmetschte für die Iwakura-Mission, betreute japanische Studenten in Deutschland, beeinflusste die Auswahl der deutschen Berater zur Modernisierung Japans und wirkte beim Entwurf der modernen japanischen Verfassung mit. 1877 heiratete er die deutsche Elisabeth von Rhade-Funkenhagen, die ihm eine Tochter, Hanna, gebar.
  • “Über die diuretische Wirkung des Bieres”, so der Titel eines Forschungspapers des späteren Schriftstellers Mori Ōgai aus dem Jahr 1887. Bereits damals hatten akademische Arbeiten also schon seltsame Themen. Auch die Nobelpreisurkunde von Japanfreund Robert Koch war übrigens ausgestellt. Das erste Mal, dass ich soetwas gesehen habe – faszinierend.
  • Tauwetter. Um die Beziehungen nach dem Ersten Weltkrieg wieder zu normalisieren und den wissenschaftlichen Austausch zu fördern, wurde Albert Einstein nach Japan eingeladen. Er nahm begeistert an: “Nie in meinem Leben bin ich in Berlin mehr und echter beneidet worden…” Bei seiner Ankunft wurde Einstein frenetisch gefeiert. In zwei Monaten hielt er insgesamt 18 Vorträge.
  • Von “Au schau! Ich klau mir schlau Kiau-tschau.” und “Nur nicht so stürmisch kleener Japs, Du kriegst auch Deinen Klapps!” im Ersten Weltkrieg (Japan = Gegner) zu “Berlin – Rom – Tokyo” im Zweiten Weltkrieg (Japan = Verbündeter). Die Wandelfähigkeit der Kriegspropaganda ist erstaunlich, geradezu grotesk.
  • Das Beste oder gar nichts. Bei seinen ersten Überlandtouren durch Japan fuhr der Shōwa-Tennō Benz. Einen Typ 770 von 1935 – hier ausgestellt in seiner vollen Pracht. Die Farben des Wagens: Schwarz-Rot-Gold. Das kann doch kein Zufall sein!
  • Frankfurt – Tokyo. Der erste planmäßige Linienflug der Lufthasa zwischen Frankfurt und Tokyo fand vor 50 Jahren statt. Genauer gesagt am 23. Januar 1961, Abflug FRA 11:00 Uhr, Ankunft HND 19:50 Uhr (24. Januar). Die Boing 707 brauchte damals also noch insgesamt fast 25 Stunden.
  • Gerhard Schröder. Zum G8-Gipfel in Okinawa im Jahr 2000 besuchte der damalige Bundeskanzler die Nachbarinsel Miyako. 1873 hatten deren Einwohner schiffbrüchige deutsche Seeleute gerettet, wofür ihnen Kaiser Wilhelm I. zum Dank ein Denkmal stiftete. In den 1990er Jahren entstand zudem das ”Deutsche Kulturdorf Ueno” auf der Insel. Und jetzt heißt die Hauptstraße auch noch “Gerhard-Schröder-Straße”.

Also, unterm Strich war “Ferne Gefährten” eine hochinteressante Ausstellung – und dazu noch kostenlos. Ganz großen Respekt an die Veranstalter! Auch der Begleitband (Schnell & Steiner, ISBN 3795425700, 29,95 EUR) ist wärmstens zu empfehlen. Bleibt zu sagen: Auf die nächsten 150 Jahre! Da haben wir uns mit JFINEST ja einen wahrlich passenden Zeitpunkt zur Gründung ausgesucht…