JFINEST


Wir sind Weltmeisterin!

von Johannes

Eigentlich wollte ich noch ins Frankfurter Stadion zum Finale fahren. Leider waren die Karten schon restlos ausverkauft. So verfolgte ich das Geschehen im Fernsehen. Und kaum bin ich nicht live dabei, gibt es eines der packendsten Endspiele der Geschichte. Mit perfektem Ausgang: Japan ist Weltmeister im Frauenfußball 2011! Unglaublich.

Omedetou gozaimasu, herzlichen Glückwunsch an das japanische Team! Und zwar nicht nur von mir, sondern von ganz Deutschland. Das ist nämlich die eigentliche Sensation: Japans Nationalteam hat sich im Verlauf des Turnieres in die Herzen der Zuschauer gespielt. Sogar seine Gegnerinnen freuen sich mit ihm – da gehört schon einiges dazu…

Was war also passiert? Hier einige Erklärungsversuche:

  1. Die Japanerinnen waren schlicht und einfach das beste Team. Beste Technik, geradezu brasilianisch. Dazu kommt: Uneigennützigkeit, Disziplin und ein gutes Passspiel. Man könnte sagen: Wenn Deutschland die “Mannschaft” schlechthin ist, dann ist Japan die “Frauschaft” schlechthin. Ohne wenn und aber.
  2. Japan hatte auch die besten Individual-Spielerinnen. Zwei möchte ich herausheben: Zum einen natürlich die überragende Kapitänin Homare Sawa, die ihre Karriere mit dem WM-Titel krönen konnte. Zum anderen die Torhüterin Ayumi Kaihori. Eine echte Elfmeterkillerin – trotz ihrer Körpergröße von 1,70m.
  3. Die Japanerinnen waren die “Underdogs”. Und so traten sie auch auf: bescheiden und selbstkritisch. Ganz im Gegensatz zu den Favoritinnen aus Deutschland und den USA, die schon vor der WM überheblich nur vom Titel sprachen. Dazu kommt: Japan war auch die fairste Mannschaft des Turniers!
  4. Die japanischen Spielerinnen traten sehr offen und sympathisch in den deutschen Medien auf. Ganz großen Respekt an Yūki Nagasato, die nach nur anderthalb Jahren bereits sehr gute Interviews auf Deutsch gibt. Bei den Fernsehzuschauern hierzulande ist das jedenfalls extrem gut angekommen.
  5. Wegen dem Unglück in Fukushima haben viele Deutsche Japan die Daumen gedrückt. Der Turniersieg sollte dem Land Hoffnung schenken. Das ist Fußball-Deutschland ja auch zwei Mal passiert: 1954 nach dem verlorenen Zweiten Weltkrieg (“Das Wunder von Bern”) und 1990 nach der Wiedervereinigung.

Meine Strategie für die Zukunft sieht nun so aus: Bei Männertunieren bin ich für die deutsche Mannschaft, bei Frauenturnieren für das japanische Team. So bin ich immer auf der Seite der Gewinner. Das nächste Mal hoffentlich bei der Männer-EM 2012!